Klassische Reisen - hier Leipzig (Auszug)

Vom Lindenort zur Stadt Lipz

Älteste Siedlungsspuren

Der Nürnberger Astrologe Andreas Goldmeyer gab im Jahr 1645 ein Buch mit dem Titel »Historische, astronomische und astrologische Beschreibung von erster Erbawung der fürnehmen vnd weit berühmbten Gewerb, vnd Handels Statt Leipzig. Darinnen von dero vrsprünglichen Erbawung, vnd fürnehmen, daselbsten vorgelaufenen Verändrungen, kürzlich gehandelt wird« heraus. In ihm behauptete er, daß Leipzigs Grundstein aus astrologischen Gründen am Sonntag, dem 16. April des Jahres 551, frühmorgens 9 Uhr 41 Minuten, gelegt worden sei, was er durch eine Zeichnung von der Konstellation der Gestirne zu beweisen suchte. Eine andere Behauptung zur Gründungsgeschichte der Stadt führt in das zweite Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Danach wäre der Ort namens Luppia mit Leipzig identisch, welchen der griechische Geograph Ptolemäus in seiner Erdbeschreibung erwähnte.
Doch die Umgebung der späteren Stadt Leipzig im Zentrum der gleichnamigen Tieflandsbucht gelegen - erwies sich schon in frühgeschichtlicher Zeit als siedlungsgünstig. Die ältesten Spuren menschlichen Wirkens reichen etwa 6000 Jahre zurück; es sind Tongefäße der Bandkeramiker, die aus dem dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung stammen. Funde, die der Trichterbecher - und Kugelamphorenkultur sowie noch jüngeren Kulturschichten entstammen, beweisen, daß im Laufe dieser Jahrtausende mindestens sechs Siedlungen einander abgelöst haben. In der näheren Umgebung Leipzigs sind Faustkeile, Klingen und Schaber ausgegraben worden, die als Werkzeuge den Jägern und Sammlern der älteren Steinzeit dienten und weit über 1 0 000 Jahre alt sind. Im nahen Eutritzsch entdeckten Archäologen eine steinzeitliche Siedlung, die fast eintausend Wohngruben aufwies. Zahlreiche Wohnstätten in und um Leipzig sind auch aus der Bronzezeit überliefert.
Als nach der Völkerwanderungszeit germanische Stämme unser Gebiet verließen, begann mit dem 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die slawische Einwanderung. Aus mehreren Richtungen und in verschiedenen Gruppen vollzog sich die bäuerliche Landnahme der Westslawen diesseits von Oder und Lausitzer Neiße. Neben den Obroditen und Wilzen im Norden, den Lusizern und Milzenern in der Lausitz und im Elbegebiet kamen in die Landschaft zwischen Elbe und Saale die Sorben. Meist gründeten die Siedler mehrere Dörfer und Weiler in engerer Nachbarschaft. So entstand auch ein Siedlungskomplex mit Hunderten von Herdstellen und Hütten im Bereich von Elster und Parthe (in der Nähe des heutigen Hotels »International« und des Konsument-Kaufhauses). Vielleicht war das ganze Parthetal mit slawischen Dörfern besetzt. Unter ihnen gab es eine größere Siedlung an der Kreuzung der von Norden und Westen kommenden Straßen. In der Nähe befanden sich ein Markt und eventuell auch schon eine Burg. Denn nach der Anlage von Dörfern und Weilern gingen die Slawen zum Burgenbau über. Außerdem existierte (auf dem Gelände des heutigen Wilhelm-Leuschner-Platzes) ein slawischer Verwaltungsmittelpunkt.
Das Siedlungsgebiet bildete einen Burgbezirk und gehörte zum Slawengau Chutizi. Mit der Einwanderung begann sich die soziale Struktur der slawischen Bevölkerung auf der Grundlage wirtschaftlicher Veränderungen im 9. und 1 0. Jahrhundert zu wandeln. Jetzt betrieb man nicht nur Ackerbau, auch Gewerbe und Handel wurden weiterentwickelt. Neben den Bauern gab es eine Dorfehrbarkeit (Vorsteher, Älteste), Handwerker, Händler, Dienstleute und einen Adel, der über Land und Leute verfügte. Allerdings wissen wir nicht, wie sich die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen bei den slawischen Bewohnern im Gebiet Leipzigs ausgewirkt haben.
Die Siedlungsentwicklung der späteren Stadt in Nord-Süd-Richtung war also schon durch die Landnahme der Sorben vorgezeichnet. Durch sie erhielt auch der Ort seinen Namen Libzi, vom altsorbischen Wort lipa (Linde), Ort bei den Linden, abstammend. Er wurde zum ersten Mal in der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg (975-1018) zum Jahre 1015 erwähnt, als dieser über den Tod des Meißner Bischofs berichtete, der in der urbs Libzi, in der Burg Leipzig, starb. Die Lindenbäume haben später auch für deutsche Ortsnamen im Leipziger Gebiet mehrfach anregend gewirkt (Lindenau, Lindenthal), wie überhaupt das Nebeneinander von slawischer und deutscher Siedlung an ihnen bis in die Gegenwart noch deutlich erkennbar ist. So gehen beispielsweise die Namen Connewitz, Eutritzsch und Möckern auf das Slawische, Paunsdorf, Probstheida und Thonberg auf die deutsche Sprache zurück.


Panorama der Stadt 1547

Die deutsche Burg Leipzig
Als König Heinrich 1. (919-936) die erste Etappe der Ostexpansion mit seinen Kriegszügen gegen die Slawen einleitete, um sie zu unterwerfen, christianisieren zu lassen und sie in den feudalen deutschen Staat einzugliedern, ließ er unter zahlreichen anderen Befestigungsanlagen auch die Burg von Meißen errichten (929).
Es ist zu vermuten, daß noch im 9. Jahrhundert von Merseburg aus ein ähnlich wehrhafter Stützpunkt auf dem östlichen Elsterufer angelegt wurde - vielleicht gar unter Ausnutzung einer slawischen Burganlage -, eben jene urbs Libzi, die Bischof Thietmar 1015 erwähnte. Im gleichen zeitlichen Zusammenhang nannte er noch Burgen in Schkeuditz, Taucha, Püchau, Eilenburg und Wurzen. Die deutschen Feudalherren hatten also auch in der Leipziger Umgebung ein Burgensystem errichtet, um ihre Herrschaft zu festigen. Zur Zeit Heinrichs II. (1002-1024) waren diese Burgen unter veränderten politischen Verhältnissen nicht weniger wichtig, denn jetzt erlangten sie Bedeutung in der Abwehr der Westexpansion des frühfeudalen polnischen Staates unter Mieszko 1. (t 992) und Boleslaw Chrobry (992-1025). Lage und Größe der urbs Libzi konnte durch archäologische Untersuchungen zwischen 1949 und 1956 westlich der Großen Fleischergasse auf dem Hügel des früheren Matthäikirchhofes ermittelt werden. Der Bergfried dieser Burg muß mit einer Mauerstärke von 3,30 Metern und einem Durchmesser von 10 Metern etwa 30 Meter hoch gewesen sein. Aus Haupt- und Vorburg bestehend, gab es darin eine rechteckige Kemenate und einen langgestreckten Palas. Das Ganze war von Mauern und Wällen umgeben. Die Burg bildete den Mittelpunkt eines Burgwardbezirkes, der damals kleinsten feudalstaatlichen Einheit. Zu ihm gehörten die umliegenden slawischen Dörfer. Ihre Bauern hatten der Burgbesatzung Abgaben und Dienste zu leisten. Weitere Befestigungsanlagen (Unterburgen) verliehen der Hauptburg zusätzliche Sicherung. Sie lagen an den Fernstraßen: eine an der nördlichen Straße (später Alte Burg genannt), die zweite am östlichen Straßenende des heutigen Brühl, eine weitere im Südosten an der späteren Grimmaischen Straße und die vierte an der südlichen Ausfallstraße. Eine in der Nähe der Burg liegende Kirche war das Zentrum für die Christianisierung der slawischen Bevölkerung.
Die Zeit der Ersterwähnung von Burg und Kirche um 1015 bildete den Ausgangspunkt für die frühe Stadtentwicklung. Denn in unmittelbarer Umgebung dieser Burg (in der Gegend Richard-Wagner Platz/Brühl) entwickelten sich allmählich eine Handwerker- und Kaufmannssiedlung sowie der Markt, wo kontinuierlich ein Warenaustausch mit den umliegenden Bauerndörfern vor sich ging und auch der Fernhandel eine günstige Niederlassung fand. Eben in der Nähe dieser Stelle kreuzten sich die wichtigen Fernstraßen, vor allem die via regia (Königs- oder Hohestraße) in West-Ost Richtung und die via imperii (Reichsstraße) als Süd-Nord-Verbindung. Während die Königs oder Hohestraße, aus demwesten des Reiches vom Rhein kommend, über Erfurt und Naumburg Leipzig erreichte, um dann nach Bautzen, Görlitz, Breslau bis nach Polen und Rußland weiterzuführen, zog sich die Reichsstraße vom Süden über Altenburg herauf und ging weiter in die Mark Brandenburg bis ins Küstengebiet der Ostsee. Handwerker und Kaufmannssiedlung sowie der Markt besaßen also gute Voraussetzungen als Keimzelle der späteren Stadt, die sich in ihrem sozialökonomischen Charakter von den umliegenden Dörfern immer deutlicher zu unterscheiden begann.

Deutsche Bauern kommen ins Leipziger Land
Eine weitere wichtige Voraussetzung für die zukünftige Stadtentwicklung war die Besiedlung des platten Landes mit deutschen Bauern aus dem Westen des Reiches. Weil sie sich eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen Lage gegenüber den Verhältnissen in ihrer alten Heimat versprachen, folgten sie den Aufrufen der Fürsten und Herren, in das Land östlich von Elbe und Saale zu kommen. Neben Wiprecht von Groitzsch und Erzbischof Wichmann von Magdeburg förderte besonders Konrad I. von Wettin (1098/99-1157), der Begründer territorial-partikularistischer wettinischer Hausmacht, die bäuerliche Besiedlung. Sie erfolgte im Zusammenhang mit dem Erwerb weiterer Gebiete, Herrschaften und Rechte und stärkte seine landesfürstliche Stellung. Sein Sohn, Otto der Reiche (1 156-1190), setzte den intensiven Landesausbau fort und förderte auch die Stadtentwicklung.


Die Thomaskirche von der Alleeseite

Schon 1109 wurden Dörfer bei Taucha erwähnt, die aus »unbebautem Wald gerodet wurden«. Die Gründungsurkunde für das Dorf Kühren bei Wurzen aus dem Jahr 1154 - also der Zeit der Leipziger Stadtgründung - beweist, daß die aus Flandern kommenden Siedler mit je einer Hufe Land ausgestattet worden sind. Sie brauchten nur genau fixierte Natural- und Geldleistungen für den Feudalherrn (es war hier der Bischof von Meißen) zu erbringen. Die besonders lästigen Frondienste entfielen, und die Bauern erhielten ihren Hof zu Erb und eigen. Alles, was sie sich über die feudalen abgaben hinaus erarbeiteten, konnten sie nach eigenem Ermessen verwenden. So entstanden in der Umgebung Leipzigs neben den slawischen zahlreiche deutsche Dörfer. Sie wurden planmäßig als Gassen-, Straßen- oder Angerdörfer angelegt, oftmals gleich neben den Siedlungen der Slawen, so daß manchmal Doppelorte entstanden, wie beispielsweise Klein- und Großzschocher. Die Folge war ein beinahe sprunghaftes Ansteigen der landwirtschaftlichen Produktion, welche wiederum die Erzeugung handwerklicher Waren beschleunigte sowie Handel und Verkehr anregte. Bauerndörfer und Burgbesatzungen, Klerus, Adel und Fürsten brauchten die Städte, um ihre steigenden Bedürfnisse an Waren, die Handwerk und Handel herbeischafften, kontinuierlich befriedigen zu können.
... Lipz aedificandam distribuit ...
Als Leipzig im 11. Jahrhundert in seine frühstädtische Entwicklungsphase eintrat, gab es im deutschen Feudalstaat schon zahlreiche Bischofsstädte, wie Köln, Mainz, Worms, Speyer, Augsburg oder Magdeburg. In England erreichten die Städte bereits die Größe zwischen 3000 und 8000 Einwohnern, und in Italien existierten demgegenüber sogar schon »Großstädte« - Rom, Florenz, Mailand, Venedig - mit mehreren zehntausend Bewohnern. In einer Bischofsstadt, in den schriftlichen Quellen civitas genannt, war der wichtigste Siedlungskomplex die Bischofsburg mit dem Dom, den Stiftsgebäuden und den Domherrenhöfen. Um diese Anlage herum existierte gewissermaßen ein Kranz von weiteren Kirchen und Klöstern. Die Siedlung der Handwerker und Kaufleute (suburbium, oppidum, vicus oder portus) war zunächst noch kleiner und lag im Schutz der Bischofsburg, umgeben von einer Palisadenbefestigung mit Wall und Graben, ihre Befestigung war seltener aus Mauerwerk. Zentrum des Suburbiums war der Markt, meist eine verbreiterte Straße oder in Dreiecksform angelegt, dem Verlauf der Handelsstraßen entsprechend. Doch der städtebaulich-architektonische Schwerpunkt lag auf den im romanischen Stil erbauten Domen, Kirchen, Klöstern, Pfalzen und Burgen. Noch im 11. Jahrhundert begannen die Auseinandersetzungen der Städtebürger, die sich in Kommunen genossenschaftlich zusammenschlossen, mit den bischöflichen Stadtherren - Trier 1066, Worms 1073, Köln 1074 -, um ihre wirtschaftliche und rechtliche Selbständigkeit durchzusetzen. Ihr Kampf, der einen »konspiratorischen und revolutionären Charakter« besaß (Karl Marx), hatte nach mancherlei Rückschlägen schließlich Erfolg. Die Städtebürger konstituierten sich zu Stadtgemeinden mit weitgehender Selbstverwaltung.


Die Pleissenburg

Leipzig sollte rund einhundert Jahre später eine ähnliche Entwicklung erleben. Die frühstädtische Marktsiedlung mit ihrer günstigen verkehrsgeographischen Lage bildete sich nun schneller zur Stadt aus, weil sich im 12. Jahrhundert auch im Gebiet östlich von Elbe und Saale die feudale Produktionsweise mit ihrer einfachen Warenproduktion der Bauern und Handwerker voll durchzusetzen begann. Vereinzelte Kaufmanns- und Handwerkerniederlassungen mit ihrem bescheidenen Marktverkehr reichten nicht mehr aus. Durch wirtschaftliche und politische Beziehungen verbundene Städte wurden nun auch in dem durch die Ostexpansion des deutschen Feudalstaates eroberten Land zur sozialökonomischen Notwendigkeit. Denn auch in der herrschenden Feudalklasse gingen nachhaltige Veränderungen vor sich. So wie die Territorialfürsten ihre Macht durch partikularistische Politik gegenüber der königlichen Zentralgewalt verselbständigten, taten das in der Markgraf schaft Meißen auch die Wettiner. Zu ihrem wachsenden Herrschaftsgebiet schufen sie sich durch die immer zahlreicher werdende Schicht der Ministerialität oder Dienstadligen eine politische und militärische Stütze, die sie auch in ihren Städten als Gegengewicht zum sich formierenden Bürgertum einsetzten. Beizeiten erkannten die Wettiner den großen Vorteil, den ihnen die Städte bei der Festigung ihrer Landesherrschaft brachten.
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts nahmen Neugründungen von Dörfern zu. Die Entdeckung des Freiberger Silbers nach 1168 förderte weiterhin die wirtschaftliche Entwicklung sowie die Städtegründungen, weil das Edelmetall das große Bedürfnis nach Geld als dem allgemeinen Wertmesser befriedigte. Zahlreiche Münzstätten bildeten sich im Gebiet zwischen Elbe und Saale und verdeutlichten die wachsende Rolle des Geldes im täglichen Warenverkehr. Das aufstrebende Leipzig hat die Vorteile des sich stürmisch entfaltenden Silberreichtums besonders zu nutzen verstanden. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts waren also alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktoren gegeben, die eine Stadtgründung zu dieser Zeit zur Voraussetzung hatte: Es gab Handwerker und Kaufleute - unter ihnen auch Gerber und Fellhändler, die in der Nähe der Parthe und am Brühl wohnten -, also eine frühstädtische Siedlung im Schutze eines Burgensystems, ausgestattet mit einem Markt, der den immer stärker werdenden Waren- und Geldverkehr und damit den Austausch zwischen gewerblichen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen kaum noch bewältigen konnte. Das 12. Jahrhundert schien von einem wahrhaben Gründungsfieber ergriffen zu sein. Vor allem die Territorialfürsten gründeten zahlreiche neue Städte: beispielsweise die Zähringer in Südwestdeutschland Freiburg im Breisgau, Heinrich der Löwe im Norden Lübeck, in Bayern München, die Landgrafen von Thüringen Gotha und schließlich
die wettinischen Markgrafen Leipzig. Dabei trifft eigentlich der Begriff »Stadtgründung« nicht exakt den Gang der Entwicklung, sondern er ist hauptsächlich auf den planmäßigen Charakter der Anlage dieser Städte zurückzuführen. Denn die städtischen Siedler hatten genau wie die Bauern gelernt, ihre Grundstücke, Straßen und Plätze regelmäßiger und rationeller als früher anzulegen.


Am Hallischen Tor um 1800

Um 1150 dürfte die frühstädtische Siedlung das Gebiet um den Richard-Wagner-Platz, den Brühl, die Hain - und die Katharinenstraße umfaßt haben. Siedlungsausläufer reichten über die Elster und Parthe sowie in Richtung Thomaskirche. An ihrer Stelle stand damals eine romanische Pfeilerbasilika. Eine chronikalische Nachricht, der wettinische Markgraf Konrad I. hätte Leipzig bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts mit Wällen umgeben lassen, kann durchaus den Tatsachen entsprochen haben. Sein Nachfolger, Otto der Reiche (1156-1190), erster fürstlicher Nutznießer des erzgebirgischen Silberreichtums, förderte also nur einen Prozeß, der schon im vollen Gange war, indem er wahrscheinlich das Stadtrecht verlieh und die Stadtanlage planmäßig erweitern ließ. Diese markgräfliche Marktsiedlung südöstlich vom Suburbium hat weitere Handwerker und Kaufleute angezogen, die vielleicht auch den Grundstein zur Nikolaikirche legten (um 1180). Später wurde ein großer rechteckiger Marktplatz mit parallel dazu verlaufenden Straßen und Gassen geschaffen. Alle Fernstraßen, insbesondere die Hauptverkehrswege - via regia und via imperii - führten in das neue Stadtzentrum und auf den Markt, wo sich der Handelsverkehr sammelte. Wer die Schöpfer dieser planmäßigen Stadtanlage sowie der Profan - und Sakralbauten waren, wissen wir weder von Leipzig noch von anderen, später gegründeten sächsischen Städten. Daß die neuen Siedler, die vielleicht aus Thüringen, dem Niederrheingebiet und sogar aus Flandern kamen, tatkräftig an ihren Aufbau gingen, ist sicher. Allerdings darf man sich nicht vorstellen, daß die ganze 48 Hektar umfassende Stadtanlage (innerhalb des noch heute deutlich erkennbaren Ringes) in einem Zuge bebaut worden wäre. Das zog sich über Jahrhunderte hin.

Die farbigen Grafiken stammen von C.B.Schwarz, veröffentlicht in einer Sonderedition des Leipziger Messeamtes  1974

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