Nationalpark- Las Canadas

Um die Schönheit der Landschaft von Las Canadas gegen jede nur mögliche Veränderung zu schützen, erklärte man sie am 22.2.1954 zum Nationalpark, der eine Fläche von insgesamt 13571 ha erreicht. Über die einzige Autostraße, die uns den Besuch dieser eindrucksvollen vulkanischen Landschaft erlaubt, kommt man zum Fuß des Teide. Ohne jeden Zweifel hat dieses majestätische Massiv seit altersher Teneriffa besonderen Charakter verliehen. Die höchste Stelle dieses enormen Vulkans, der Teide - Gipfel, der die ganze Insellandschaft beherrscht, liegt 3.718 m über dem 

Meeresspiegel, was ihn zum höchsten ganz Spaniens macht, da er den Aneto - Gipfel (3404 m) in den Pyrenäen und den Mulhacen (3.478 m) in der Sierra Nevada übertrifft. Anders als bei Las Canadas, scheinen sich die Fachleute einig zu sein, daß der Teide durch Überlagerung verschiedener Vulkane entstanden ist (der Berg Chahorra oder Alte Gipfel, 3.106 m hoch, etc.), die bis Ende des XVIII. Jahrhunderts tätig waren. Obwohl sich 1909 der Vulkan Chinyero Rauch und Lava speiend in Bewegung setzte, war der letzte bedeutende Ausbruch der des Vulkans Chahorra 1798. Er begann am 9. Juni und dauerte drei Monate. In dieser Zeit bildeten sich an den Hängen des Chahorra eine Reihe sekundärer Eruptionskanäle, die als «Nasen des Teide» bekannt sind. Das scheint zu bestätigen, daß der zentrale Ausbruchskanal 

durch sukzessive Schichten verfestigter Lava verstopft ist. Sein Krater von 80 m Durchmesser speit heute noch durch seinen Schlund Gase von fast 90 Grad Celsius Temperatur, die Solfatare genannt werden. Der Aufstieg zum Teide kann entweder zu Fuß über die traditionelle Route der Ausflügler gemacht werden, die am Weißen Berg beginnt, oder über die moderne Drahtseilbahn, die von morgens bis abends in Betrieb ist und vom Fuss des Vulkans, in 2.356 m Höhe, ausgeht. Mit ihr schwebt man bis nach «La Rambleta» (3.555 m), von wo aus man den Gipfel 
erreichen kann, was etwa 25 Minuten dauert. Von hier hat man eine wunderschöne Rundsicht über die ganze Insel, an klaren Tagen sogar über die restlichen Inseln der kanarischen Gruppe. Es ist klar, daß das Bemerkenswerteste dieser Landschaften ihr Reichtum an geologischen Formationen ist, aber wir dürfen nicht vergessen, daß sie gleichzeitig Habitat zahlreicher Lebensformen sind. Die Botanikliebhaber werden hier ein wahrhaftes Pflanzenparadies finden, mit einzigartigen Gattungen, die den Kanarischen Inseln zugehören, sowie anderen, die nur innerhalb des Parks wachsen.

Hervorhebenswert: der berühmte «Rosenstrauch des Guanchen», ein rosenartiger Busch; oder das «Teide - Veilchen», das vor allem an den Hängen der Vulkankegel wächst und im Frühjahr bei Tauwetter blüht. Es wurde von dem deutschen Geologen und Naturforscher Alexander von Humboldt (1769 - 1859) so getauft, der bereits im Juni 1799 diese Gegend besuchte und für die Wissenschaft wichtige Entdeckungen machte. Diesem berühmten Forscher sind viele wissenschaftliche Beobachtungen auf dem Feld der Naturlehre zu danken. In Begleitung des französischen Botanikers A. Bonpland bereiste er nicht nur die Kanarischen Inseln, sondern 1799 - 1804 auch Südamerika (Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Mexiko und Kuba). Das Ergebnis all dieser Expeditionen waren verschiedene wissenschaftliche Werke: Kosmos, 1845 - 62, Ansichten der Natur, 1808, und Reise in die Äquinoktial - Gegenden des Neuen Kontinents, 1811 - 26.Weitere repräsentative Gattungen der Flora dieses Gebiets sind: die Teide - Margarite, der rote und blaue oder pikante tejinaste, das Spartagras, die «malpais» - Blume und der weiße Ginster unter anderen. Die Tierwelt ist dürftig und kaum vertreten. Insgesamt vier Säugetierarten bewohnen das Gebiet: Kaninchen, Mufflon, verwilderte Katze und Igel. Aber 

das charakteristischste Tier dieser Landschaft ist der «lagarto tizön» (große Eidechse).
Was Vögel betrifft, die mit ihrem Flug dieses Gebiet beleben, finden wir: Felsentaube, Rebhuhn und den bekannten «blauen Teide - Vogel». Es gibt noch einige Raubvogelarten, die früher häufig vorkamen, heute aber im Aussterben begriffen sind. Das ist der Fall des Turm - und des Aasfalken. Andererseits begünstigt die reiche Pflanzenwelt, von der wir gesprochen haben, die Vermehrung der Insekten, von denen man etwa 400 Arten katalogisieren konnte. Um Flora und Fauna sowie die geologische Formation der Insel besser kennen zulernen, muß man das Besucherzentrum von Las Cañadas des Teide aufsuchen, einen Vorführsaal, in dem man eindrucksvolle und lehrreiche Momente genießen kann.
Im Winter bedeckt diese ganze verschiedenfarbige Landschaft mit an den Mond erinnernden Formen eine samtartige Schneedecke, die sie völlig verwandelt. Der Anblick des verschneiten Teide hat die Inselbewohner den enormen Vulkan mit dem liebevollen Namen «Zuckerhut» taufen lassen.
Es ist klar, das die Teide - Landschaft in jedem Besucher einen tiefen, angenehmen Eindruck hinterläßt. Von altersher überraschte die Seefahrer, die das Meer an den Küsten der Insel durchzogen, die Ungeheuerlichkeit dieses Vulkans, dessen Silhouette man meilenweit vor Teneriffa erkennt. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot, der auf seinen Reisen die ganze Nordküste Afrikas durchlief, gab ihm den Namen «Atlas», andere nannten ihn «Himmelssäule». Es ist unmöglich, sich die fürchterlichen Konvulsionen
vorzustellen, die der Schaffung solch einzigartiger Formen vorausgingen. Aber dank jener Naturkatastrophen können wir heute eines der wunderschönsten Schauspiele der Welt genießen.
Wenn wir den Ausflug durch den Naturschutzpark Las Canadas des Teide beendet haben, können wir über dieselbe Autostrasse nach La Orotava zurückkehren, um von hier die Inselrundfahrt fortzusetzen.
Aber der majestätische Teide wird uns nicht nur in der Erinnerung verfolgen, sondern unbestreitbar auch jede Stelle der Insel beherrschen.

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