Mal  sanft, mal stürmisch
Fast lautlos gleiten die „weißen Riesen“ heran und ziehen ihre Bahn in Richtung Trelleborg. Sie haben ihren Heimathafen Sassnitz für immer verlassen und Quartier in Mukran genommen. Ich persönlich erlebe einen derartigen Wandel zum 2. Mal und empfinde es wie eine leise Abschiedsmelodie, ein trauriges Lied dessen Töne Erinnerungen wiederbringen und das Gefühl, es war einmal. Die See spiegelt die Zeit, das Wetter und die  Bauten, die uns vor ihren Unbilden schützen soll. Wenn der Wind stürmisch weht, ist der Leuchtturm schon mal von Wellen gänzlich überspült. Diese Tage sind selten, aber sie zeigen welch unbändiges Element die See ist.

Die feierliche Eröffnung der Postdampferlinie Sassnitz- Trelleborg
Eine besondere Ehre wurde dem Raddampfer „ Freya " zuteil, der fast sechs Jahre zuvor die Testfahrt zwischen Sassnitz und Trelleborg erfolgreich beendet hatte. Der deutsche Postdampfer mit dem Namen „ Imperator ", war zu dem festgesetzten Tag für die Eröffnung der neuen Linie nicht fertig geworden, deshalb mußte die „Freya " einspringen, weil sie als Reserve in Bereitschaft gehalten wurde. Das Schiff brachte am 29. April 1897 die schwedischen Ehrengäste, unter anderen den Außenminister Graf Douglas und den Innenminster Krusenstjerna nach Sassnitz. Am Bahnsteig stand der Zug mit dem die deutschen Gäste, wie der 


Der Raddampfer "Freya" verläßt den Trelleborger Hafen in Richtung Sassnitz mit schwedischen Gästen zu den Eröffnungsfeierlichkeiten 1897 

preußische Eisenbahnministers von Thielen, in Sassnitz angekommen waren. Nach den Eröffnungsfeierlichkeiten in Küsters Hotel und dem Besuch von Schloß Dwasieden begab sich die Festgesellschaft an Bord des schwedischen Postdampfers„Rex“ am 30. April nach Trelleborg. Im festlich geschmückten Trelleborg war um 11.05 Uhr der Sonderzug mit den Reichstagsabgeordneten angekommen. "Genau um 1 Uhr gleitet der „ Rex ", Schwedens größter und elegantester Passagierdampfer, in sachter Fahrt in den Hafen von Trelleborg. Unter Hurrarufen und der Musik des Södra Skanska Infanterieregiments, das deutsche Volkslieder und "Hör us Svea " spielte, wurden das Schiff und die ankommenden Gäste begrüßt und ins Rathaus geleitet. Danach reisten die Gäste mit einem Sonderzug nach Lund und dann nach Malmö, wo die Eisenbahnverwaltung ein Essen gab", schrieb die Trelleborger Zeitung. Am 1. Mai 1897 begann der planmäßige Betrieb. Auf der ersten Fahrt reisten 30 Passagiere mit dem „Rex" der Reederei Sverige -Kontinenten nach Sassnitz. Eine Hin- und Rückrückfahrkarte kostete damals 15 Kronen. Für die Orte am Ausgangspunkt der Linie begann eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs. Für Sassnitz/Crampas forderte die Schiffslinie die Beschäftigung der Einwohner auch außerhalb der Saison. Die Eisenbahn, die Post, der Zoll und Speditionsfirmen, wie die Firma Lesshafft, brachten neue Arbeitsplätze.

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