Reisen mit Hindernissen
Der Postdampferverkehr
1897-1909 (2)

Als Ersatz beschaffte die schwedische Reederei den schon 1871 gebauten Dampfer "Nordstjernan ", modernisiert ihn, und setzte das Schiff am l. Mai 1900 erstmalig auf der Linie ein. Als Hauptschiffe waren die Schrauben-dampfer "Imperator" und "Nordstjernan " und als Reserveschiffe die Raddamp-fer und Schwesternschiffe " Svea " und " Germania " (durch die Bräunlich - Reederei ebenfalls von der Linie Queensborough - Vlissingen übernommen) im Einsatz. Die Reserveschiffe mußten ständig mit Kohle versorgt sein und die halbe Zahl der Kessel sollte unter Dampf stehen. Am 17. Dezember 1900
strandete die "Svea " in der Nähe der rügenschen Küste.
Die Bergung war wegen Niedrigwasser erst am 14. Februar 1901 möglich. Am 21. September d.J. war die Reparatur abgeschlossen, und es erfolgte die Probefahrt von Kopenhagen. Vom Pech verfolgt, hatte die Svea bald darauf Grundberührung in der Einfahrt von Trelleborg. Am 24. Januar 1903 blieb die "Nordstjernan" im Eis stecken und konnte später durch den Postdampfer " Odin " befreit werden. Diese häufigen Havarien sind der Anlaß zu einem Protest des Deutschen Reichspostministeriums und der Preußischen Staatsbahn gegen die Schwedische Reederei: Der "Rex" ist immer noch nicht vollwertig ersetzt, da die "Nordst-jernan " zu klein ist. Laut Vertrag soll der Verkehr hauptsächlich durch leistungsstarke Schraubendampfer 


Der Sassnitzer Postdampferhafen am Eröffnungstag der Postdampferlinie. Auf Reede der Kreuzer „ Gefion ". In den Hafen läuft gerade die „Freya " mit den schwedischen Ehrengästen an Bord ein. Am Bahnsteig steht der deutsche Sonderzug.

bewältigt werden. Raddampfer waren nur als Reserveschiffe vorgesehen. Die schwedische Reederei konnte diese Vertragsklausel nicht einhalten. Die deutsche Reederei stellte für ihre Liniendienste nacheinan-der die Neubauten " Odin " und "Hertha " in Dienst. Nach Aufnahme des Fährbetriebes Warne-münde - Gedser (1903) erwog man ernsthaft die Frage der Verkehrsein-stellung oder einer Modernisierung der Saßnitz-Linie. 
An Stelle der Schwedischen Reederei AB Sverige Kontinenten übernahm 1907 die Reederei AB Sverige-Tyskland mit den Schiffen "Prinzessin Margareta" und "Kronprinz Gustav Adolf 'den Verkehr. Im Jahre 1907 wurde der Vertrag zwischen Reederei, Post- und Bahnverwaltungen um 10 Jahre verlängert, obwohl die Einführung des Eisenbahnfährbetriebes nur noch eine Frage der Zeit und des Geldes war. Die Postdampferlinie hatte sich bewährt. Sie charakterisiert eine wesentliche Etappe in der stürmischen Entwicklung der Wirtschaft zu Beginn unseres Jahrhunderts. Neue Dimensionen im Warenaustausch fordern bessere Kommunikationsmittel. Die künftige Fährverbindung soll dieser Forderung gerecht werden.
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