Erlebnisberichte
aus der Postdampferzeit
Freudig wurde auch auf Rügen das Jahr 1900 begrüßt. Noch ahnte niemand, wie verhängnisvoll dieses Jahr für die erst 1897 eröffnete Postdampferlinie werden sollte. Eis und Schneestürme führten schon im Januar immer wieder zu Verspätungen. Ab 15. Januar mußten die Schiffe stellenweise rückwärts fahren, um die Eisbarrieren zu durchbrechen. Dabei verlor der Dampfer " Imperator " am 25. Januar eine Schraube. Alarmierende Zeitungsmeldungen erschienen: "Am 17. Februar tobte ein orkanartiger Sturm aus Südost. Der Postdampfer " Rex "trat trotzdem am Nachmittag mit geringer Verspätung seine Fahrt von Sassnitz nach Trelleborg an. Er gelangte jedoch nur bis zum Molenkopf, da starkes Eis die Durchfahrt verhinderte. Bei der Rückkehr in den Hafen wurde das Schiff gegen die Brücke gedrückt, so daß Schaden am Heck entstand. Der Dampfer "Imperator"



Die Straße zum Hafen in Sassnitz Anfang 1900. 
Gut erkennbar die neue Lotsenstation.

benötigte an diesem Tag 11 Stunden von Trelleborg hierher und war völlig mit Eis bedeckt. " Am 26 Februar verließ der Dampfer " Rex " den Trelleborger Hafen zu seiner planmäßigen Fahrt nach Sassnitz. In einer rabenschwarzen Nacht kämpft das Schiff gegen einen Schneesturm aus NO, jäh wird die Reise unterbrochen. Was ist geschehen? In der Annahme Stubbenkammer schon passiert zu haben, war das Schiff zu früh auf Kurs in Richtung Sassnitz gegangen, So endet die Fahrt dann am Strand von Blandow, 200 m vom Ufer entfernt. Besatzung und Schiff sind in höchster Gefahr, als der Kapitän entscheidet, den 1. Offizier mit einem Matrosen und fünf Frauen vom Küchenpersonal in einem Boot an Land zu setzen, um dort außerdem ein mitgeführtes Tau zu befestigen, das zur Selbstrettung genutzt werden soll. Es sind unheimliche
Stunden, die die Menschen in der Dunkelheit verleben.. Die schneidende Kälte und die Angst lassen die auf Hilfe wartenden Seeleute erzittern. Durch den Nebel schickt die Dampfpfeife unaufhörlich ihren Ruf in die Nacht. Der Maschinenraum wird zerstört, das Licht erlöscht. Der Mut der wartenden sinkt. Am Morgen klart es auf . Man sieht Menschen am Ufer zusammenlaufen, die den Schiffbrüchigen zuwinken. Eine Rakete wird zum Schiff geschossen. Schon der erste Schuß bring eine Rettungsleine hinüber, die am Vordermast befestigt wird. Da sich der Dampfer immer noch von einer Seite auf die andere wälzt, ist die Rettung schwierig. In die Freude über die Rettung mischt sich der Schmerz, als man erfährt , daß das in der Nacht ausgesetzte Boot in der Brandung zerschellt ist. Die fünf Frauen sind ertrunken. Der Matrose stirbt an den Verletzungen. Der, bei dieser Fahrt nur als Erster Offizier mitfahrende Leutnant Lysander, erreichte das Ufer nach einem verzweifelten Kampf gegen die Brandung. Dort bricht er zusammen. Drei Tage später bricht das Schiff auseinander und muß zum Wrack erklärt werden.

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