Ringelnatz - Gedichte

 

14.07.01

15.07.01

16.07.01


So kann ein Wiedersehn sein...
So kann ein Wiedersehn sein,
Daß Augenpaare tief eineinander messen.
„Lang, lang ist's her. Und doch
Hast du mich nicht - könnt ich dich nicht -
Vergessen."
Froh war es einst. - Hat wenig sich bewährt. -
Viel starb vom Wenig. - Alte Bäume rauschen
Und neigen sich vornander ernst und lauschen
Wie Kinder einem Märchen, aber abgeklärt.
Denn was geschah, das muß wohl so geschehn sein.
Nun. ist's, als rückten wir, ohn Worte, ohne Tat,
Enger zusammen, wie zu einem Skat,
Aber erlebt, erliebt! - So soll ein Wiedersehn sein.


Sie sitzen in der Bar, schmusen und herzen und küssen sich. „Ach, du mein Schnuckiputzilein", haucht sie ihm zärtlich ins Ohr. Er seufzt glücklich: „War es bei dir auch Liebe auf den ersten Blick, Liebste?" „Natürlich! Als ich hörte, daß du im Lotto gewonnen hast, dachte ich: Der oder keiner!"

17.07.01

18.07.01

19.07.01


Zwischen, meinen Wänden
Ich danke dir: Ich bin ein Kind geblieben,
Ward äußerlich, auch meine Schwarte rauh.
Zu viele Sachen weiß ich zu genau
Und lernte mehr und mehr die Wände lieben.
Doch zwischen Wänden, wenn die Phantasie
Ein kleines Glück so glücklich zu erfassen.
Imstande ist, daß wir uns sagen: Nie
Uns selber lieben ! Nie das andre hassen!
Nur einsam sein ! - -
Spricht oft mein Innerstes zu solcher Weisheit: Nein!
Denn all mein Sinnen lauscht, ob fremde Hände
Jetzt etwa klopfen werden an mein einsam Wände,
Und wenn 's geschähe, rief es laut: Herein! !!


Bitte, was bedeutet das Schild hier?" fragt die junge Hausfrau den Verkäufer am Gemüsestand, wo die Gurken mit „Import" ausgezeichnet sind. „Die werden eingeführt." „Na, so was", meint sie versonnen, „und ich hätte die glatt gegessen."

20.07.01

21.07.01

22.07.01


Psst!
Träume deine Träume in Ruh.
Wenn du niemandem mehr traust,
Schließe die Türen zu,
Auch deine Fenster,
Damit du nichts mehr schaust.
Sei still in deiner Stille,
Wie wenn dich niemand sieht.
Auch was dann geschieht,
Ist nicht dein Wille.
Und im dunkelsten Schatten
Lies das Buch ohne Wort.
Was wir haben, was wir hatten,
Was wir - -
Eines Morgens ist alles fort.


Der schottische Bauunternehmer wird gefragt:  "Warum tragen Ihre Arbeiter denn keine Schutzhelme? "Das käme zu teuer. Wir versorgen sie lieber kostenlos mit Kopfschmerztabletten!"

 

QuellenJ.Ringelnatz, Henssel Verlag Berlin, 1955