assnitz

Links vom Weg abbiegend, näherten wir uns der Waldung und sahen bald durch das Grün der Bäume eine Menschenwohnung schimmern. Es war die Sassnitzer Kalkbrennerei. Sie ist königlich und liegt zur Linken hart an einem Gebirge, wo die Kreide in einer Höhe von 60bis 80 Ellen zutage liegt, und dieser von der Sonne stark beleuchtete Streif stach gegen das Blättergrün so lebhaft ab, daß es das Auge kaum ertragen konnte. Von dieser Masse nimmt der Brenner seine Materialien, und überhaupt besteht das Fundament des ganzen Gebirgslagers aus Kreide, die zuweilen in Lehm übergeht. Der Kalkofen ist dicht neben dem Haus befindlich, und zweimal im Jahre wird gebrannt. Gegenwärtig war der Meister beschäftigt, Lehmsteine zu streichen. Die der Kalkbrennerei gegenüberliegende Nordseite zieht sich steil hinan und ist dicht mit Buchen bewachsen. Eigentlich befindet man sich hier in einer Kluft, die weit in die 
Stubnitz einschneidet. Der tiefste Grund zwischen beiden Berglehnen dient dem Steinbach zum Bett, der aus der Waldung von Westen her nach Sassnitz eilt, wo er, nachdem seine letzte Kraft die dortige Kornmühle in Bewegung gesetzt hat, in den Strand ausfließt. Das Dorf Sassnitz ist nur einige hundert Schritte von der Kalkbrennerei entfernt und liegt gegen Osten am Meer, oder eigentlich zieht es sich hinein in die obengedachte große Liete. Die Hütten liegen romantisch an beiden Seiten des Baches unter Baumschirmen. Der Strand ist mit mächtigen Steinen eingefaßt, und rechts in der Ferne ragen die hohen Ufer des Mönchguter Peerdes [Perds] aus dem Meer hervor. Die Bewohner des Dorfes sind größtenteils Fischer, und 16 von ihnen halten gemeinschaftlich vier Boote, auf jedes Boot vier Mann gerechnet. Sie fangen hauptsächlich Lachs, Dorsch und Heringe, die sie auch wohl einsalzen und auf Jasmund oder nach Rügen verkaufen. 


Blick von Mukran in Richtung Sassnitz (jetzt Golfplatz)

Der Lachs wird bisweilen auf großen Angeln gefangen, die sie in der See auswerfen. Wir gingen zum Schulzen des Dorfes und trugen ihm unseren Wunsch vor, ein Boot zu erhalten, das uns nach Stubbenkammer bringen könnte. Der Mann war gleich bereitwillig, uns zu dienen und während Anstalten gemacht wurden, das Fahrzeug wofür ein Reichstaler bedungen war, ins Wasser zu schieben, nahmen wir bei ihm ein Frühstück von Spickheringen ein und bestiegen dann das Boot, das von vier tüchtigen Ruderern regiert ward.